Was ist Fair Trade Kaffee?

Was ist Fair Trade Kaffee?

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Was ist Fair Trade?

Fair Trade ist ein Handelsmodell, bei dem den Erzeuger*innen im globalen Süden ein fairer Mindestpreis gezahlt wird, sowie eine Prämie für ihre Produkte. Damit soll deren Abhängigkeit von den mitunter stark schwankenden Weltmarktpreisen verringert und ihre allgemeine Lebenssituation verbessert werden. Oftmals bieten Fair Trade-Handelspartner den Produzent*innen weitere Vorteile, etwa Investitionen in eine bessere Gesundheitsversorgung, in Umweltschutzmaßnahmen, in Bildungsmodelle sowie einen verbesserten Zugang zu Krediten. Auch die Einhaltung gewisser Sozial- und Umweltstandards ist im fairen Handel üblich, etwa der Ausschluss von Kinderarbeit, die Verhinderung von Ausbeutung, die Förderung der Gleichberechtigung von Frauen, Transparenz und auch Investitionen in eine ökologische Landwirtschaft.

Die Geschichte von Fair Trade

Der erste Fair Trade-Shop wurde 1958 in den USA eröffnet. Dort gründete sich die Bewegung im religiösen Kontext. In Europa entwickelte sich das Konzept in den 1960er Jahren als Gegenbewegung zum Neoimperialismus. 1969 wurde in den Niederlanden der erste Weltladen eröffnet. Zu diesem Zeitpunkt wurden noch hauptsächlich Handwerksprodukte gehandelt. Der erste Fair Trade-Kaffee wurde 1973 verkauft. In den frühen 1980er Jahren wurden dann zunehmend Lebensmittelprodukte fair gehandelt. Bis dato wurden faire Produkte hauptsächlich in Weltläden gehandelt. Für die Skalierung war es jedoch nötig, in die Supermärkte und Kaufhäuser zu gelangen. Das gelang erst mit den Fair Trade-Siegeln. Das erste dieser Siegel entstand 1988 in den Niederlanden, „Max Havelaar“. 1992 wurde dann die Organisation TransFair International als europäischer Dachverband gegründet. 1997 bildete sich zudem die Fair Trade Labelling Organizations International (FLO) als Dachverband verschiedener Siegelorganisationen.

Im Jahr 2019 gab es bereits 1.707 Fair Trade-Produzentenorganisationen in 73 Ländern (Quelle: Transfair) mit insgesamt 1,71 Millionen Mitgliedern. Davon sind 88 Prozent Kleinbäuerinnen und -bauern und 90 Prozent der Mitglieder bauen Kaffee, Tee oder Kakao an. 2018 nahmen die Produzent*innen 187 Millionen Euro an Prämien ein – zusätzlich zum Verkaufspreis. Das entspricht rund 118 Euro pro Person. Arbeiter*innen auf Fair Trade zertifizierten Plantagen investierten 32 Prozent ihrer Fair Trade-Prämie in Bildung (19 Prozent) und Wohnungsverbesserungen (13 Prozent). Produzent*innen investierten 50 Prozent der Fair Trade-Prämie in Dienstleistungen für Landwirt*innen wie der Bereitstellung von Werkzeugen sowie in Barauszahlungen.

Fair gehandelter Kaffee

Kaffee war 1992 das erste Fair Trade-Produkt im deutschen Markt. 2019 erreichte Fair Trade-Kaffee einen Marktanteil von 4,5 Prozent. Das ist leider immer noch viel zu wenig, verwundert aber nicht, wenn man sich Umfragen anschaut wie zuletzt im Rahmen des Kaffeereports. Dort gaben lediglich 8,9 Prozent der Befragten an, sich bessere Anbaubedingungen (Bauern, Fair Trade) im Kaffeesektor zu wünschen – ein erschreckend geringer Anteil der Bevölkerung. Dennoch geben inzwischen 7 von 10 Deutschen (71 Prozent) an, fair gehandelte Produkte zu kaufen und jede*r fünfte davon regelmäßig (18,5%).

Nach wie vor ist Kaffee das Fair Trade-Produkt mit der größten Anbaufläche: 2017 wurde Fair Trade-Kaffee auf über 938.158 Hektar angebaut. Ein Fair Trade-Bauer bewirtschaftet im Schnitt 1,4 Hektar (Quelle: Tchibo-Kaffeereport 2016). Die Produktionsfläche von 4C-lizenzierten Units (die aus der Common Code for the Coffee Community hervorgegangene 4C Association bietet einen Basisstandard für einen fairen und ökologisch nachhaltigen Kaffeeanbau) lag 2014 in Ruanda bei 242 Hektar, beim Spitzenreiter Brasilien bei rund 680.000 Hektar. Das Produktionsvolumen von UTZ-zertifiziertem Rohkaffee lag 2014 weltweit bei rund 730.000 Tonnen. Zum Vergleich: 2004 waren es noch knapp 54.000 Tonnen. Die Zahl der Länder mit UTZ-zertifizierter Kaffeeproduktion stieg im gleichen Zeitraum von 14 auf 24. Weltweit wurden 2013 rund 140.000 Tonnen fair gehandelter Kaffee verkauft, das entspricht einem Umsatz von 528 Millionen Euro. In Deutschland wurde 2020 Fair Trade-Kaffee im Wert von 492 Millionen Euro gehandelt. Der Absatz stieg von 3.000 Tonnen im Jahr 2004 auf mehr als 24.000 Tonnen Fair Trade-Kaffee 2020.

Ein entscheidender Vorteil fair gehandelten Kaffees sind stabile Preise, die den Kaffeebäuerinnen und -bauern mehr Planungssicherheit gewähren. Kein Wunder also, dass die Fair Trade-Produktion zunimmt: Die Zahl der Fair Trade-zertifizierten Kaffee-Produzentenorganisationen lag 2019 bei 582. In Ruanda gab es 2015 beispielsweise 12 Produzenten mit Fair Trade-Siegel. 2012 waren es noch 7. Derzeit gibt es weltweit rund 450 Fair Trade-zertifizierte Kooperativen mit circa 758.474 Kaffeebäuerinnen und -bauern. Damit stellt der Kaffeeanbau rund 43 Prozent aller Fair Trade-Bauern weltweit, gefolgt von Tee (22%) und Kakao (18%). Die durchschnittliche Fair Trade-Prämie pro Bauer lag im Kaffeesektor im Jahr 2013 bei 71 Euro. Die Prämie wird in die Kooperative eingezahlt, deren Mitglieder demokratisch entscheiden, wofür diese verwendet wird – im Idealfall für soziale Projekte in den Bereichen Bildung oder Gesundheit.

Fair Trade erneuert Kaffeestandard 2021

Fair Trade verschärfte 2021 die Kriterien für Kaffee zu Handelspraktiken, Menschenrechten und Umwelt:

  • Es gibt neue Eintrittsvoraussetzungen für Produzentengruppen und Exporteure, die Fairtrade beitreten wollen. Produzentengruppen müssen seit mindestens zwei Jahren als demokratisch strukturierte Organisation anerkannt sein und ein Marktinteresse nach FairTrade nachweisen. Neue Exporteure müssen Nachweise über die Nachfragen nach ihren Exportdienstleistungen vorzeigen.
  • Prozesse sollen transparenter werden, indem Produzentengruppen Monitoring-Systeme für eine bessere Nachverfolgung der Produktions- und Verkaufsinformationen einführen müssen.
  • Die Vertragskriterien werden strenger geregelt. Das Aufsetzen von Verträgen ist klarer und strenger und sie müssen internationale und und industrielle Rahmenbedingungen erfüllen.
  • Es soll eine deutliche Klausel für den Mehrwert von Mindestpreis und Prämie geben. Dies dient zum Schutz der Kaffeeorganisationen, die FairTrade-Verkäufe sowie Verkäufe unter konventionellen Bedingungen handeln. Das heißt, “Fair Trade zertifizierte Ware darf nicht unter der Bedingung verkauft werden, dass dafür eine andere Menge an konventioneller Ware mit Rabatt verkauft wird.”
  • Menschenrechte sollen aktiv geschützt werden. Produzentengruppen stehen in der Pflicht Assessments durchzuführen und aktiv Richtlinien und Verfahren zu entwickeln, um Zwangsarbeit, Kinderarbeit und Menschenhandel vorzubeugen. Dies beginnt mit einer Risikobewertung und geht über in die Entwicklung entsprechender Richtlinien und Verfahren, um Verstöße zu erkennen, zu verhindern, zu überwachen und zu beheben, sollten diese auftreten. 
  • Umweltrisiken sollen besser eingeschätzt und verringert werden. Es müssen jährliche Umweltrisikobewertungen von den Produzentengruppen durchgeführt werden. 
  • Klimaanpassungspläne sollen entwickelt werden, um der Klimakrise zu begegnen. In den Plänen müssen Risiken priorisiert und daraufhin nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken angewendet werden. 

Vor- und Nachteile von Fair Trade

Immer wieder kommt es zu Kritik am Fair Trade-Handel. Diverse Studien kommen jedoch zu dem Ergebnis, dass alle Fair Trade-Label die Lebensgrundlage der Produzent*innen verbessern. So verfügen Fair Trade-Kleinbäuerinnen und -bauern über ein um 20 Prozent höheres Einkommen als herkömmliche Produzent*innen. Damit können Sie Ihren Kindern bessere Bildungschancen ermöglichen, womit eine nachhaltige Wirkung erreicht wird. Überdies werden im Fair Trade-Modell oftmals Gemeinschaftsprojekte realisiert, die die Strukturen vor Ort langfristig verbessern. In Fair Trade-Kooperativen finden sich überdies bessere Arbeitsbedingungen, eine höhere Produktivität, eine gesteigerte Qualität, stärkere demokratische Teilhabe sowie höhere Investitionen in die Landwirtschaft.

Ein valider Kritikpunkt ist jedoch die fehlende Standardisierung im fairen Handel: Eine eindeutige Definition des Begriffs fehlt, da jedes Label bzw. jede Organisation eigene Kriterien und Definitionen sowie Mindestpreise festlegt. Weiterhin problematisch: Mit dem Siegel „Fair Trade“ gekennzeichnete Mischprodukte müssen lediglich mindestens 20 Prozent fair gehandelte Zutaten beinhalten und das steht auf keinem der gehandelten Produkte direkt drauf. Häufig wird auch die Unübersichtlichkeit der Siegel kritisiert, hier  eine Auflistung von Siegeln oder fairen Handelsmarken (mit oder ohne Siegel) ohne Gewähr auf Vollständigkeit:

  • dwp
  • Direct Fairtrade
  • El Puente
  • Fair for life
  • Fairglobe
  • Fairtrade International (FLO)
  • fair+ (Gepa)
  • Hand in Hand
  • Naturland Fair
  • One World
  • Rainforest Alliance
  • UTZ

Um das Problem der fehlenden Standardisierung einmal deutlich zu machen: Rainforest Alliance und UTZ erlauben beispielsweise den Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden. Einen garantierten Mindestpreis zahlen sie nicht.

Außerdem ist die Beteiligung von Frauen im Fairtrade Handel noch stark verbesserungswürdig. Nur 19% der Bäuerinnen und Bauern und 40% der Arbeiter*innen sind Frauen und das obwohl 70% der Arbeit von Frauen erledigt wird und es klar ist, dass Frauen Prämienzahlungen effektiver z.B. für die Ausbildung der Kinder ausgeben.

Kritisiert wird zudem eine fehlende Preistransparenz im fairen Handel, da die Verteilung in der Wertschöpfungskette für Verbraucher kaum nachvollziehbar ist. Der Aufpreis von Fair Trade-Produkten kommt nicht 1:1 bei den Erzeugern an. Diese erhalten in der Regel nur ein paar Cent, während der Großteil des Aufpreises im Einzelhandel verbleibt. Donatien Lemaitre, der französische Filmemacher, dessen Fair Trade-Dokumentation für einige Aufregung gesorgt hatte, sagt dazu:

„Problematisch daran ist, dass die Handelsriesen bei den fair gehandelten Produkten besonders große Gewinnmargen einstreichen. Der Verbraucher zahlt einen höheren Preis. Aber von dem Geld, das Bedürftige unterstützen soll, bleibt der größte Teil beim Händler. Und das ist legal, weil Fairtrade den Händlern keinen Verhaltenskodex vorschreibt.“

Auch die Fair Trade-Prämie, die die Kooperativen erreicht, wird nicht immer für soziale Zwecke wie den Bau von Schulen oder in Gesundheitsvorsorge investiert, sondern mitunter auch in neue Gebäude oder Personal. Hier ist mehr Transparenz und Forschung gefragt. Im Kaffeehandel gelten als weitere Kritikpunkte die Überproduktion von Kaffee, angereizt durch die höheren Preise, welche die Kaffeebauern mit Fair Trade erzielen können sowie eine Verminderung der Qualität der Kaffeebohnen, da die Kaffeebauern durch den garantierten Mindestpreis nicht dazu motiviert werden, in die Qualität ihres Kaffees zu investieren.

Als Konsequenz geht der Trend vor allem für teuren und hochwertigen Kaffee dahin, ganz auf Siegel zu verzichten und stattdessen auf direkte Handelsverbindungen mit Partnern im globalen Süden zu setzen. Siegel und externe Kontrolle wird dabei durch transparente Kommunikation und Storytelling ersetzt. Die Verbraucher verlassen sich hier also voll auf die Glaubwürdigkeit der Anbieter.

Fairchain: Fair Trade konsequent weiter gedacht

Angesichts dieser konstanten Kritikpunkte am Fair Trade-Handelsmodell scheint es Zeit, dieses weiter zu denken. Genau das tut das vom niederländischen Kaffee-Unternehmen Moyee initiierte Fairchain-Modell, das die Wertschöpfung im Erzeugerland deutlich stärkt. Wir von Kaffee-Kooperative.de unterstützen diesen Ansatz zu 100 Prozent und kaufen mit Café de Maraba einen in Ruanda gerösteten und verpackten Kaffee. Damit verbleiben zur Zeit 48 Prozent der Wertschöpfung im Erzeugerland – standardmäßig sind es nur 15 Prozent. Ziel ist es, auf deutlich über 50% zu kommen, was leicht möglich ist, sobald größere Mengen importiert werden. Zusätzlich glauben wir auch fest an externe Kontrolle und Zertifizierung. Unsere Partner sind daher voll Fairtrade-zertifiziert und werden regelmäßig von externen Prüfern vor Ort besucht.

In Ruanda wurde in den letzten Jahren zudem stark in das Empowerment der Kaffee-Erzeuger investiert, beispielsweise durch die Anschaffung von Nassaufbereitungs- und Sortieranlagen, die es Kaffeebauern ermöglichen, hochwertigen Spezialitätenkaffee anzubieten. Dazu gibt es Programme, die den Kaffeebäuerinnen und -bauern moderner Anbaumethoden vermitteln sowie Investitionen in die Verbesserung der Kaffeequalität, beispielsweise durch den Einsatz von Düngemitteln. Die ruandischen Kleinbauern produzieren somit nicht nur einen hochwertigen Kaffee, sondern erzielen damit auch höhere Erträge und haben mehr Mitsprache.

Fairchain schafft nachhaltige Arbeitsplätze und einen relevanten Wissenszuwachs in den Erzeugerländern, was letztlich effektiver wirkt als durch externe Experten gesteuerte Entwicklungshilfe. Durch Fairchain wird die lokale Wirtschaft gestärkt, was weitere Innovationsprozesse und eine Eigendynamik in Gang bringen kann. Damit wird letztlich das Ziel erreicht, das die Fair Trade-Bewegung von Beginn an motivierte: Das Leben der Menschen in den Ländern des globalen Südens dauerhaft zu verbessern. Fairchain geht noch darüber hinaus, indem es die Abhängigkeit vom globalen Norden deutlich vermindert.

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