Lebensgrundlage in Bedrohung? Die Auswirkungen des Klimawandels auf Kaffeebäuer*innen

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Die durch unsere Produktion und unseren Konsum hervorgerufene Klimakrise hat und wird noch drastische Auswirkungen auf alle Bereiche des menschlichen Lebens haben. Am meisten darunter leiden die Menschen im Globalen Süden sowie die Landwirtschaft (mehr dazu in unserem Artikel zu Nachhaltigkeit). Welche Auswirkungen hat der Klimawandel also auf den Kaffeeanbau und -handel?

Die Kaffeepflanze kann nur in bestimmten Regionen mit entsprechenden klimatischen Bedingungen angebaut werden: entlang des sogenannten „Kaffeegürtels“, rund 25° nördlich und südlich des Äquators. So zum Beispiel auch in Ruanda – hier herrschen das ganze Jahr über moderate warme Temperaturen (Kaffee fühlt sich am wohlsten bei 18-21°C), ausreichend Niederschlag und die notwendigen Höhenlagen für die Arabica-Varietäten.

Schädlicher Einfluss der Klimanwandels auf den Kaffeesektor

Allerdings sind die coffea-Pflanzen sehr anfällig für Temperatur- und Klimaschwankungen. Mit dem Klimawandel wird es vermehrt zu heißeren Sommern und zu längeren Trockenzeiten kommen (in Ostafrika soll die Durchschnittstemperatur laut Prognosen um 3°C bis 2060 steigen), die Niederschlagsmuster werden sich ändern und Bäuer*innen müssen sich auf immer mehr Klimaextreme und unvorhersehbare Klimaschwankungen einstellen. 

Daphrose Mukanyarwaya aus der Kooperative KOAKAKA ist schon seit 35 Jahren Kaffeebäuerin und erzählt, dass die heißen Trockenphasen in den letzten Jahren immer länger werden, der notwendige Regen bleibt immer öfter aus. 

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Diese Veränderungen beeinflussen das gesamte Ökosystem. Trockene Böden und starke kurze Regenfälle sorgen dafür, dass das Wasser nicht ausreichend in die Erde eindringen kann und es zu Bodenerosion kommt – was den Pflanzen wortwörtlich den lebensnotwendigen Boden unter den Füßen wegzieht. 

Folgeschäden des Klimawandels für Kaffeepflanzen

Hinzu kommt, dass die Kaffeepflanzen mehr Schädlingen und Krankheiten ausgesetzt sind. Schon bei geringen Temperaturerhöhungen von 1-2°C beispielsweise gedeiht der Pilz, der Kaffeerost hervorruft viel schneller (auch ein großes Problem in Ruanda vor einigen Jahren) und die Population der Kaffeekirschenkäfer explodiert zahlenmäßig. Diese Schädlinge breiten sich so auch in zuvor nicht betroffene Gebiete aus und haben in der Vergangenheit dramatische Ernte- und Einkommensschäden von bis zu 85 Prozent hervorgerufen – nicht auszumalen, was in Zukunft auf die Kaffeebäuer*innen zukommt.

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Wirtschaftliche Einbußen aufgrund des Klimawandels

Zur Folge haben diese Klimaveränderungen nicht nur schlechtere Qualität der Kaffeebohnen (was wiederum zu niedrigeren Gewinnen führt), sondern vor allem einen drastischen Rückgang der Ernten. Einige Länder berichten bereits jetzt von bedeutenden Produktivitätsrückgängen in den vergangenen Jahrzehnten. In Ruandas Nachbarland Tansania verloren Kaffeebäuer*innen zum Beispiel im Durchschnitt 137 kg Kaffeekirschen/Hektar pro 1°C Temperatursteigerung!

Laut dem US Journal Science Advances sind 60 Prozent aller Kaffeevarietäten derzeit bedroht, darunter der meist angebaute Arabica-Kaffee. Im Vergleich zur Sorte Robusta, bei der ihre Strapazierfähigkeit bereits im Namen steckt, sind die Arabica-Pflanzen anfälliger für äußere Einflüsse. 

Nach Hochrechnungen des Climate Institutes könnte bei einem „Weiter-so“ innerhalb der nächsten 30 Jahre, bis 2050, die Hälfte der möglichen Kaffee-Anbaufläche verschwinden. Dadurch kann und wird es vermehrt zu Konflikten in der Nutzung des verbliebenen fruchtbaren Landes kommen. Da die Bäuer*innen in der Regel nicht die Möglichkeit haben, mit ihren Pflanzen umzusiedeln, stellt dies eine große Bedrohung für sie und ihre Lebensgrundlage dar. 

Kaffee Kooperative

Das Einkommen der Kaffeebäuer*innen reicht meist gerade aus, um die Produktions- und Alltagskosten zu decken, sodass sie es sich aus eigener Tasche kaum leisten können, auf andere Produkte oder neue Technologien umzusteigen. Diese würde zu hohe Anfangsinvestitionen und Zeit (ein Kaffeebaum braucht bspw. rund 3 Jahre, um Ertrag abzuwerfen) erfordern, berichten uns immer wieder viele Bäuer*innen.

Fragt man Isaac Nsanzamahoro, Manager der Kooperative Dukundekawa, was derzeit die größte Herausforderung für seine Kooperative ist, ist die Antwort eindeutig: „der Klimawandel“.

Was können Kaffee-Kooperativen und Regierungen also tun? 

Es gibt bereits verschiedene Forschungs- & Resilienzprogramme (wie zum Beispiel von World Coffee Research) mit dem Ziel, robustere Sorten zu erforschen, die Effizienz der gebliebenen Anbaugebiete zu steigern oder die angebauten Lebensmittel zu diversifizieren. Wichtig ist auch, in den Dialog mit den betroffenen Produzent*innen zu treten, um Informationslücken zu schließen und gemeinsam kreative Lösungen zu finden. Mehr denn je wird nun auch deutlich, wie wichtig solidarische genossenschaftliche Strukturen sowie alternative Finanzierungsmöglichkeiten für Klimaanpassungsmaßnahmen hier sind. 

Dass weltweit die Leben von 25 Millionen Kleinbäuer*innen und 120 Millionen Menschen am Anbau und Weiterverarbeitung von Kaffee hängen, gibt dem Ganzen eine Brisanz, die nicht mehr übersehen werden kann. Maina Thuku, Kaffeebauer aus Muranga (Kenia), fordert im Interview mit der Deutschen Welle deshalb auch zu Recht: “Menschen auf der ganzen Welt trinken Kaffee. Wir beten sie, uns zu helfen, denn die Umwelt ändert sich und bald wird es euch vielleicht nicht mehr möglich sein, die geliebte Tasse Kaffee zu genießen“. 

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Da der Klimawandel und seine Folgen ein strukturelles Problem sind, dass nicht jene hervorgerufen haben, die nun am meisten darunter leiden, ist nun die Hilfe von Regierungen, Firmen und der Weltgemeinschaft gefragt.

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Was können Sie ganz individuell tun? 

  1. Achten Sie generell auf Ihren ökologischen Fußabdruck, um die Klimakrise nicht weiter zu beschleunigen. 
  2. Kaufen Sie CO2-neutralen Kaffee (mehr dazu hier).
  3. Kaufen Sie Kaffee, bei dem ein Preis über den Produktionskosten gezahlt wird, sodass lokale Anpassungsmaßnahmen durchgeführt werden können.
  4. Üben Sie Druck auf Unternehmen und Regierungen aus, um die notwendige Verantwortung für Umwelt und Handelspartner zu übernehmen.

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