Julia von Coffee-to-go-again im Interview

Julia von Coffee-to-go-again im Interview

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Hallo Julia, schön, dass du dir die Zeit nimmst! Erzähl doch mal, wie hat sich die Coffee-to-go-again-Initiative in den letzten Monaten entwickelt?

Seit fast seit zwei Jahren engagiere ich mich jetzt mit Coffee To Go Again gegen Einwegbecher und in dieser Zeit ist das Projekt unglaublich groß geworden: 400 offiziell teilnehmende Cafés und Bäckereien in ganz Deutschland kann die Kampagne schon vorweisen und vor Kurzem hat sie auch Österreich (Wien und Graz) erreicht. Das hat für viel Berichterstattung in den Medien gesorgt und Bewusstsein geschaffen – in der Bevölkerung, aber auch in der Politik. Eine Anschub-Finanzierung konnte ich im vergangenen Sommer via Crowdfunding sammeln (das ja auch von Kaffee-Kooperative.de unterstützt wurde, danke nochmal!) und letzte Woche ist mein Buch „Besser machen statt besser wissen“ zum Projekt erschienen.

Musst du viel Überzeugungsarbeit leisten oder hast du eher den Eindruck, dass viele Unternehmen nur einen externen Anreiz brauchten, um auf einen umweltverträglicheren Kaffeeausschank umzusetzen?

Die meisten, mit denen ich direkt Kontakt hatte, waren eher dankbar, dass mal jemand was gegen diesen Müllberg unternimmt. Mittlerweile sehen sich viele gezwungen „nachzuziehen“. Das ist auf jeden Fall mein Eindruck. Ich finde das spitze, dass nun auch „global player“ wie McDonalds die Möglichkeit für den umweltfreundlichen To-Go-Konsum geschaffen haben. Und ich denke, dass Initiativen wie meine in dieser Hinsicht den nötigen Druck aufgebaut haben. Cafés und Bäckereien sollten solche Modelle unbedingt zur Kundenbindung nutzen.

Welche Einwände gegen Coffee-to-go-again bekommst du oft zu hören und wie begegnest du diesen?

Für die meisten ist das Thema Hygiene der kritische Punkt. Die Rechtslage ist so, dass es kein gesetzliches Verbot gibt, der Wirt bzw. die Wirtin aber das Haftungsrisiko trägt. Es gibt keinen bekannten Vorfall, daher entscheiden sich die meisten dann doch für eine Teilnahme an der Aktion. Aber ich kann gut verstehen, dass das Thema viele aus der Gastronomie verunsichert, schließlich hängt daran die Existenz. Daher bin ich auch auf politischer Ebene aktiv, damit hier Unsicherheiten ausgeräumt werden. Und da zeigt mein jahrelanger Einsatz auch erste Wirkungen: Das Bayerische Umweltministerium hat eine gemeinsame Leitlinie aller Bundesländer initiiert, so dass hier detaillierte Kriterien geschaffen werden sollen, die für mehr Sicherheit für die Gastronom*innen sorgt.

Bist du von der Resonanz auf deine Initiative überrascht? Bekommst du vielleicht sogar Unterstützung von unerwarteter Seite?

Am Anfang war ich in der Tat sehr überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass das Projekt so groß wird. Und ich betreibe das zwar als „one-woman-show“, aber ohne die Unterstützung von meiner Familie, Freunden und ganz vielen aktiven Leuten aus der Umweltszene, wäre mir das in dem Ausmaß auch nicht möglich: Allein der Support auf den sozialen Netzwerken beispielsweise ist für so ein Projekt echt viel wert oder die Einladung als Podiumsgast bei relevanten Events, da denken viele ganz häufig an mich und unterstützen meinen Kampf gegen die Pappbecher. Und meine Familie packt mit an, wenn z.B. 500 Becher aus der Crowdfunding-Kampagne angeliefert werden und dann einzeln verpackt und verschickt werden müssen.

Was hat dich eigentlich motiviert, mit dem Projekt zu starten?

Ich bin gelernte Hotelfachfrau und habe Politik studiert. Ich glaube dadurch hat sich mein Blick auf diese Menge an Einwegbechern gerichtet. Aus Interesse habe ich im Internet recherchiert und als ich feststellte, dass es dazu praktisch noch keine Berichterstattung gab und der „Pappbecher“ auch nicht als Umweltsünde bekannt war, da hat es dann bei mir „klick“ gemacht und ich hab mich dann irgendwie in der Verantwortung gesehen, an der Stelle aufzuklären. Zumal ich mir den Aufwand zugetraut habe, es galt ja nicht eigene Becher zu entwickeln, sondern „nur“ Aufkleber zu verteilen. Dass das in so viel Arbeit ausarten würde und ich zwei Jahre später immer noch mehr als ausgelastet damit sein würde hätte ich mir damals null vorstellen können.

Soweit ich deinen Social Media Postings entnehmen kann, hast du ja derzeit recht viele Aktivitäten laufen. Stemmst du Coffee-to-go-again allein oder konntest du in den letzten zwei Jahren ein verlässliches Team aufbauen?

Nein, wie gesagt, ich mache das als „one-woman-show“. Ich bin zwar eh nicht so gut im „Abgeben“, aber ich muss sagen, als Team ist man schon um einiges schlagkräftiger, kann mehr Termine wahrnehmen und so weiter und so fort. Ich habe schon einiges aus der Kampagne gelernt für die nächsten Projekte…

Momentan gibt es ja einige vielversprechende Entwicklungen im Kaffeemarkt, Stichwort kompostierbare oder auch nachfüllbare Kaffeekapseln. Wo siehst du noch akuten Handlungsbedarf?

Also diese kompostierbaren Becher und Kapseln sind leider keinen Deut besser, als die herkömmliche Variante: In der Produktion erfordern sie genauso viele Ressourcen (Strom, Wasser etc.) und die Entsorgung erfolgt nicht fachgerecht. Die müssten eigentlich auf dem Kompost im heimischen Garten landen, denn in den Müllanlagen haben sie nicht genug Zeit, um wirklich zu kompostieren und werden daher am Ende eben doch verbrannt. So eine Anlage kann auch gar nicht erkennen, was das nun für ein Becher ist. Ich denke, dass es Zeit ist für politische Rahmenbedingungen, eine Besteuerung auf Einweggeschirr beispielsweise. Aktuell beobachte ich, dass nun viele Unternehmen ihre Mehrwegbecher verkaufen wollen. Die Frage ist für mich aber: Wie oft werden diese Becher denn auch genutzt? Es ist ökologisch nicht sinnvoll fünf Stück im Schrank stehen zu haben. Man sollte einen besitzen und den auch tatsächlich benutzen. Damit ich als Kundin das Ding auch wirklich den ganzen Tag mit mir herumtrage, darf das nicht nur von einem aktuellen Trend bestimmt werden. Umweltfreundliches und soziales Verhalten muss – ganz allgemein – viel stärker „belohnt“ werden: Bio-, FairTrade- oder unverpackte Produkte könnten steuerliche Vorteile erhalten.

Was ist dein Ziel in den nächsten fünf Jahren?

Zum Einen wünsche ich mir bis dahin schlagkräftige politische Maßnahmen gegen Einwegbecher. Zum Anderen habe ich gerade ein neues Projekt auf den Weg gebracht: Meine Erfahrungen mit Coffee To Go Again und in der Nachhaltigkeit-Szene haben mir gezeigt, dass alle im Bereich des Social Business viel zu wenig Lobbyarbeit betreiben. Das ist aber unbedingt notwendig, wenn wir nicht nur bessere Produkte auf den Markt bringen, sondern auch strukturelle Änderungen bewirken wollen. Und wie viel an dieser Stellschraube erreicht werden kann, zeigt ja gerade ein Projekt wie Coffee To Go Again. Hier möchte ich mit meinen Erfahrungen und Kompetenzen als Politikwissenschaftlerin Unterstützung leisten und bin daher seit Anfang diesen Jahres freiberuflich mit dem Thema unterwegs. Wer neugierig geworden ist, kann ja mal hier gucken: www.julia-post.jimdo.com. Und in fünf Jahren wäre es natürlich super, wenn ich davon leben könnte, denn in diesen Themen steckt all mein Herzblut.

Liebe Julia, herzlichen Dank!

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