Zu Besuch in unserer Partnerkooperative KOAKAKA

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Eingebettet zwischen sanften grünen Hügeln im Distrikt Nyamagabe liegt die Washing Station Karambi, gleichzeitig die Zentrale der Kaffee-Kooperative KOAKAKA. Rund 3,5 Stunden ist man hierher mit dem Auto von Kigali unterwegs. Je weiter südlich man kommt, desto grüner und hügeliger wird die Landschaft. Spätestens dort versteht man, warum Ruanda auch liebevoll das Land der 1000 Hügel genannt wird. 

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Washing Station Karambi, Foto: Charlotte Lonitz

Hier in der “Southern Province” findet man viele Kaffee-Kooperativen, einige davon die  ältesten des Landes. Auf 1600 bis 2000 m Höhe, auf dem mineralhaltigen roten Lehmboden bauen auch die Mitglieder von KOAKAKA ihren Kaffee an. KOAKAKA, das steht für Koperative y’Abahinzi ba Kawa ba Karaba, was so viel heißt wie „Kooperative für den Anbau von Kaffee aus Karaba“. 

Um zur Washing Station zu gelangen, muss man einen kurvigen unbefestigten Abstecher von der Hauptstraße nehmen, der sich um die Berge schlängelt und durch einige kleine Dörfer führt. Aus der Ferne kann man bereits die Gebäude der Kooperative erkennen, die sich in das grüne Tal schmiegen. Vor Ort werde ich herzlich von Bonaventure Safari, dem Manager der Kooperative und Diane Tuyisenge, der Qualitätsmanagerin und leitenden Agronomin, begrüßt. Wir setzen uns in ihr kleines Büro, dessen Wände zahlreiche Qualitätsauszeichnungen, vor allem die Urkunden des ruandischen “Cup of Excellence”, schmücken.

Bei einer Tasse Kaffee – was sonst – fangen wir an zu plaudern. Ich habe viele Fragen, denn seit rund zwei Jahren beziehen wir für Angelique’s Finest auch „Frauenkaffee“ der Frauengruppe ICYEREKEZO die wiederum zur großen KOAKAKA-Kooperative gehört. 

Stolz erzählen mir die beiden von ihrer Kooperative: Bereits 1999 schlossen sich Kaffeebäuer*innen aus der Region zusammen, um gemeinsam Kaffee zu produzieren. 2002 wurden sie mit der Hilfe des USAID-Programms Sustaining Partnerships to enhance Rural Enterprise and Agribusiness Development (SPREAD) zum Verein und sind seit 2003 offiziell als Kooperative registriert. Die Kooperative ist inzwischen auf 1.316 Mitglieder angewachsen, die insgesamt rund 745.000 Kaffeesträucher besitzen und in drei Distrikten der Region leben. Das bedeutet allerdings auch, dass die Bäuer*innen auf ein sehr weites Gebiet verteilt sind und die nächste Waschstation manchmal einen langen Fußmarsch entfernt ist. „Deshalb gibt es inzwischen 70 dezentrale Sammelstellen, zu denen die Bauern und Bäuerinnen ihre Kirschen bringen können und 2017 haben wir zusätzlich zu den zwei Washing Stations, die wir schon hatten, eine neue in Gaseki gebaut“, erläutert Bonaventure. „Und das,” fügt er stolz hinzu, “allein mit dem Geld der Kooperative aus unseren Verkäufen von 2016. Dafür musste die zweite Auszahlung, die die Bäuer*innen am Ende der Saison erhalten, zwar geringer ausfallen, aber nun können wir dort direkt vor Ort die Kirschen “waschen” und so mehr und schneller weiterverarbeiten.“

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Die Washing Station Muganza, einer der drei Orte, wo die Kaffeekirschen gewaschen, geschält, fermentiert und getrocknet werden. Foto: Charlotte Lonitz

Dieses Prinzip wird in allen unseren Partnerkooperativen angewandt: Nachdem der Kaffee der Genossenschaft verkauft und bezahlt ist, werden alle Produktionskosten abgezogen und die Generalversammlung entscheidet, was mit dem Rest geschieht. Der verbleibende Gewinn wird aufgeteilt in Investitionen, Gemeinschaftsprojekte und das sogenannte “second payment”, die zweite Zahlung oder Prämie, die an alle Mitglieder ausgeschüttet wird. 

Auf Rundgang durch die Kooperative KOAKAKA

Inzwischen ist der erste Kaffee getrunken und die beiden möchten mir die Einrichtungen der Genossenschaft zeigen. Unsere Tour führt vorbei am Büro, in dem die Kaffeekirschen in Empfang genommen und die Bäuer*innen bezahlt werden, zur sogenannten Entpulper-Maschine, durch die das Fruchtfleisch der Kaffeekirschen entfernt und sie gewaschen werden, vorbei an den Wasserbecken und Fermentations-Tanks zu den Trockenbetten, auf denen die Bohnen einige Tage in der Sonne trocknen bis hin zum Lager, in dem die grünen Bohnen schlussendlich darauf warten, weitertransportiert zu werden. Gerade ist es hier sehr ruhig, weil die Erntesaison bereits abgeschlossen ist, aber zwischen März und August herrscht hier in der Regel ein buntes Treiben und es werden täglich kiloweise Kirschen angeliefert.

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Trockenbetten in der KOAKAKA-Kaffeekooperative, Foto: Charlotte Lonitz

Hinter den Trockenbetten entdecke ich große Betonpools und Erdhügel. Wofür die sind, möchte ich von Diane wissen. „Das”, erklärt sie voller Stolz, „ist die erste professionelle Abfallwasser-Kläranlage in Ruanda. Da wir unseren Kaffee nass verarbeiten, verwenden wir viel Wasser. Das ist eigentlich kein Problem, da es bei uns ausreichend regnet und wir im Tal liegen, aber durch den Fermentationsprozess wird das Abfallwasser sehr sauer. So können wir es natürlich nicht zurück in den Fluss leiten. Deshalb wird das Wasser in mehreren Stationen gefiltert und behandelt. Bevor es zurück in das lokale Ökosystem fließt, testen wir es auf seinen ph-Wert. Dass es funktioniert, zeigen die Pflanzen, die wir hier angebaut haben“, sagt sie und zeigt auf die Felder, die die Washing Station umgeben. Und tatsächlich: Dort gedeihen Bananen-, Mais-, Bohnen- und Ananaspflanzen. 

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Foto: Charlotte Lonitz

Ein weiteres Beispiel dafür, wie sich hier um ökologische Nachhaltigkeit gekümmert wird, ist die Kompostanlage der Kooperative. Mit Hilfe von Würmern und Mikroorganismen werden die entsorgten Kaffeeschalen und das Fruchtfleisch der Kaffeekirschen in wertvollen Dünger umgewandelt. Dieser wird wiederum als ökologische Alternative zum chemikalischen Dünger an die Kooperativenmitglieder verteilt – so schließt sich der Kreislauf und keine Rohstoffe werden verschwendet.

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Foto: Charlotte Lonitz

Seit 2016 stellt die Kooperative auch Stück für Stück auf Bio-Anbau um. Dabei sind zur Zeit rund 500 Mitglieder involviert und nutzen nur noch pflanzliche Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmittel.

Neben dem Kompost finde ich eine Baumschule. Im Halbschatten wachsen hier insgesamt 26.000 Arabica-Kaffeebaum-Setzlinge heran, die später kostenlos an Mitglieder verteilt werden, die ihre Farm erneuern möchten. Gemeinsam mit dem World Coffee Research Institut experimentiert KOAKAKA außerdem mit neuen Varietäten, um zu schauen, ob sie resistenter und/oder ertragreicher sind als die bereits verwendeten. 

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Baumschule in der KOAKAKA-Kooperative, Foto: Charlotte Lonitz

Zu guter Letzt möchte mir Diane noch ihr Herzstück zeigen: das Cupping Labor. „Das hier ist unser Cupping Labor, das haben wir erst letztes Jahr erbaut“, beginnt die Qualitätsmanagerin. „Bis dato mussten wir unsere Proben immer nach Kigali zu RWASHOSCCO schicken, um sie dort testen zu lassen. Heute können wir unseren eigenen Kaffee vor Ort rösten und cuppen und so direkt wissen, welcher Kaffee von welchem Tag und welchem Anbauort welche Aromen und welche Qualität hat. So können wir den Bäuer*innen auch besseres Feedback geben und die Qualität unseres Kaffees insgesamt verbessern.“ 

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Cupping Lab in der KOAKAKA-Kaffeekooperative, Foto: Charlotte Lonitz

Investieren für mehr Wertschöpfung und Selbstbestimmtheit

Danach geht es mit dem Auto ein Stückchen weiter zur Hulling-Fabrik, der neuesten Anschaffung der Kooperative. An einigen Stellen wird gerade noch fleißig weitergebaut – kein Wunder, denn sie wurde erst vor rund einem Monat eröffnet.

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Hulling-Fabrik in der KOAKAKA-Kaffeekooperative, Foto: Charlotte Lonitz

Innen herrscht geschäftiges Treiben. Neue Säcke Kaffee kommen von den verschiedenen Waschstationen an, werden gewogen und gelagert oder direkt zur Trockenmühle gebracht. Die Maschinen laufen auf Hochtouren, denn während die Kaffeekirschen nur von März bis August geerntet werden können, ist nun die Zeit, in der die Bohnen im zweiten Schritt trocken verarbeitet und exportiert werden. Nachdem das gelbliche parchment von den Maschinen gereinigt, geschält, poliert und nach Größe sortiert wurde, erhält man die eigentliche Bohne, die aufgrund ihrer grünlichen Farbe als „grüner Kaffee“ bezeichnet wird. Doch auch diese werden nochmals sortiert: Auf dem Boden sitzt ein gutes Dutzend Frauen, die händisch alle Bohnen mit Defekten aussortieren. Insgesamt wird unser Kaffee, bevor er in Ihrer Tasse landet, rund acht Mal sortiert. „Hier in der Fabrik beschäftigen wir insgesamt ca. 150 Menschen, in der gesamten Kooperative 750 während der Hochsaison“, erläutert Diane. „Rund ein Achtel von ihnen sind Frauen, wir stellen auch Nicht-Mitglieder oder volljährige Kinder von Mitgliedern an. Die Kooperative ist ein wichtiger Arbeitgeber hier in der Region.“

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Sortieren der Kaffeebohnen, Foto: Charlotte Lonitz

Wie sie das finanziert haben und ob sich so eine Investition lohnt, möchte ich wissen. “Einen Teil haben wir selbst bezahlt und dafür einen Kredit aufgenommen”, erzählt Bonaventure, “aber wir haben auch Unterstützung vom US-amerikanischen Afrika-Entwicklungsfond und der koreanischen Entwicklungsagentur erhalten. Das wichtigste ist jedoch auch, dass wir Kosten sparen und eine neue Einkommensquelle haben: Bislang mussten wir unsere Bohnen immer bei anderen Unternehmen hullen lassen und haben pro Kilogramm gezahlt. Jetzt haben wir es ganz in eigener Hand und andere Kooperativen kommen zu uns, um ihren Kaffee geschält und sortiert zu bekommen. Solche Investitionen sind sehr wichtig für uns, da wir so mehr Kontrolle über unsere Produktion haben und weil ein größerer Teil der Wertschöpfung bei uns als Kooperative bleibt“, schließt Bonaventure. 

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Maschinelles Sortieren der Kaffeebohnen, Foto: Charlotte Lonitz

Mitbestimmung und gegenseitiges Lernen als Grundprinzip

Zurück im Büro möchte ich wissen, wie die Kooperative organisiert ist. „Pro Zone gibt es neun Untergruppen mit jeweils ca. 30 – 40 Bäuer*innen“, erklärt Bonaventure. „Bei sechs Zonen macht das also 54 Gruppen insgesamt und jede hat einen oder eine Vertreter*in in der Generalversammlung, die sich zwei Mal pro Jahr trifft.“ In der Generalversammlung wird über alle wichtigen kooperativen-betreffenden Themen abgestimmt, so soll allen Mitgliedern demokratische Partizipationsmöglichkeit gewährleistet werden. Die Gruppen dienen aber auch als Organisationseinheit: Über sie werden sämtliche Informationen weitergeleitet und Trainings abgehalten. Rund einmal im Monat kommen die Agronom*innen und die sogenannten Field Farmer Advisors vorbei und frischen das Wissen der Anbauenden über effiziente Anbaupraktiken, den Gebrauch von Dünger, Pestiziden und umweltfreundlicher Schädlingsbekämpfung auf. Die Erkenntnisse halten die Bäuer*innen in einem kleinen Heft gemeinsam mit den jährlichen Anschaffungen, dem Ernteertrag, Schädlingsbefall und Auszahlungen fest.

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Foto: Charlotte Lonitz

Am meisten interessiert mich natürlich, welche Rolle Frauen in der Kooperative spielen. “Zur Zeit sind 297 der Mitglieder der Kooperative Frauen”, berichtet Diane. “Wenn du magst, kann ich dir morgen einige vorstellen!” Das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen und wir verabreden einen Termin mit einigen Frauen der Gruppe Icyerekezo für den nächsten Tag. 

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