Impact Stories: Zu Besuch bei einer Frauengruppe in Koakaka

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Die Kaffeebäuerinnen, die Kaffeekirschen für Angelique’s Finest, Kaffee aus Frauenhand, produzieren, haben sich innerhalb ihrer Kooperativen in Frauengruppen zusammengeschlossen. Eine davon haben wir in der Kaffeekooperative in Koakaka in Ruanda besucht. 

Angelique’s Finest ist ein Kaffee, der komplett von Frauen produziert wird. Die Marke und die Produktion des Kaffees liegt in den Händen der Kaffeebäuerinnen. Mit Angelique’s Finest verdienen diese 55 Prozent mehr als im üblichen Handelsmodell. Wir nennen das Fairchain: Eine wirklich faire (und transparente) Wertschöpfungskette.

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Unsere ASA-Praktikantinnen Luisa und Sandra bei ihrem Besuch einer Frauengruppe in Koakaka

Wir treffen uns mit der Frauengruppe draußen unter der Sonne. Die Frauengruppe wurde 2016 ins Leben gerufen und hat 28 Mitglieder. Die Frauen helfen sich gegenseitig auf den Feldern und produzieren gemeinsam Körbe. Eine weitere wichtige Funktion der Gruppe ist die gegenseitige finanzielle Unterstützung durch gemeinsames Sparen und Darlehen. Die Frauen haben finanzielles Wissen erworben, ein eigenes Konto und haben gelernt, ihr Geld auch in der Nebensaison besser zu verwalten. Auch die Frauengruppe hat ein eigenes Konto, auf dem das angesparte Geld sicher verwahrt wird und Zinsen generiert. Nicht zu unterschätzen ist die emotionale Unterstützung, denn die Frauen geben einander Ratschläge und bilden eine Gemeinschaft. 

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Eine Kaffeebäuerin aus Koakaka mit einem von ihr geflochtenem Korb

Unterstützung erhalten die Frauen auch von der Kooperative, z.B. mit Lehrgängen über Anbaumethoden oder die optimale Einrichtung eines Nutzgartens, um Mangelernährung zu vermeiden. Während der Corona-Pandemie stellte die Kooperative zudem Desinfektionsmittel und Masken bereit.

So investieren die Frauen ihr Einkommen

Mit dem Einkommen, das die Frauen mit Angelique’s Finest verdienen, bezahlen sie die Schulgebühren und -materialien ihrer Kinder sowie eine Krankenversicherung, bei der sie von der Kooperative unterstützt werden. Mit dem Frauenkaffee erhalten die Produzentinnen eine höhere Prämie, was sich positiv auf ihr Einkommen auswirkt. Die Kooperative übernimmt zudem die Transportkosten der Kaffeekirschen, die an einer zentralen Stelle gesammelt werden.

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Die Frauen investieren ihr Geld vorrangig in die Familie, gönnen sich aber auch selbst etwas. Sie können sich nun besser kleiden und Kitenge kaufen, das sind die farbenfrohen Stoffe, aus denen sie ihre Kleider nähen. Die Frauen berichten uns stolz, dass sie ihren Grundbedarf stillen können und neben Kleidung auch Seife oder ein Handy kaufen können. Viele der Frauen haben ihr Haus mit Solarenergie ausgestattet, um Strom nutzen zu können. Eine der Frauen begann Hirse anzubauen, womit in Ruanda das lokale Bier hergestellt wird. 

Seit die Idee mit dem Frauenkaffee aufkam, konnten die Frauen ihren Bestand an Kaffeesträuchern erhöhen, denn zuvor gehörten diese zumeist den Männern. Auch die Rolle der Frauen in der Familie sei gestärkt worden, da sie nun einen eigenen Zugang zu finanziellen Mitteln haben und das Familieneinkommen besser verwaltet werde. Die Frauen sind froh, ihre Mann nicht mehr um Geld bitten zu müssen, z.B. wenn Besuch kommt. Sie berichten uns stolz, dass sich ihre Position in der Familie deutlich verbessert habe, seit sie eigenständig Entscheidungen treffen können. Auch die Kinder, insbesondere die Töchter, fühlten sich nun sicher, sich direkt an ihre Mütter wenden zu können, um nach etwas zu fragen. Insofern sei die Stimme der Frauen in der Familie gestärkt worden. 

Die meisten Frauen wuchsen in Familien auf, die im Kaffeeanbau tätig waren. Ihre eigenen Kinder sehen nun, dass ihre Mütter mit dem Kaffee Geld verdienen und damit für den Bedarf der Familie aufkommen können. Das mache die Kaffeewirtschaft wieder attraktiv. In den Kooperativen werden darum Jugendgruppen gegründet, die nun ebenfalls mit dem Kaffeeanbau anfangen.

Herausforderungen im Kaffeeanbau

Eine der größten Herausforderungen der Frauen sei der Klimawandel mit den schweren Regenfällen und den langen Trockenzeiten. Es sei schwierig das richtige Material für die Böden zu finden, so dass sie Alternativen nutzen. Die letzte Ernte fiel extrem schlecht aus, so dass die Gruppe in diesem Jahr keinen Frauenkaffee verkaufen konnte. Der Starkregen hatte nahezu alle Pflanzen zerstört. 

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Eine Kaffeebäuerin aus Koakaka beim Flechten mit Naturmaterialien

Zuletzt fragen wir die Frauen nach ihren Wünschen für die Zukunft. In der Gruppe möchten sie zukünftig nähen, um ein zusätzliches Einkommen in der Nebensaison zu generieren. Eine der Frauen möchte ihre Kinder auf die weiterführende Schule schicken, ihr Haus renovieren und für die Rente sparen. Eine andere Frau hat bereits zwei Kinder, die an der weiterführenden Schule lernen. Sie möchte ihnen Nähmaschinen kaufen, um sie vor Arbeitslosigkeit zu schützen. Sie wünschten, dass sie ihren Kindern dabei helfen könnten, eine Arbeit zu finden, so dass diese nach der Schule nicht bei Null starten müssten. Sie selbst bräuchten etwas Geld, um in Vieh investieren zu können (Schweine, Rinder, Ziegen), denn das sei auf dem Land wirklich lohnenswert.

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