Corona in Ostafrika

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Covid-19 ist zu einem globalen Problem geworden und beeinträchtigt nicht mehr nur die Abläufe in unserem Büro und Lager in Berlin. Unser Shop läuft weitgehend normal weiter: Wir versenden nach wie vor über DHL. Unsere Hygienestandards haben wir erhöht und arbeiten nur noch getrennt: jeweils nur eine Person vormittags im Bürobetrieb und abends im Versand. Händedesinfektion vor dem Versand ist natürlich Standard. Die Arbeitsabläufe bei unseren Partner*innen in Ruanda haben sich ebenfalls verändert. Allan Mubiru, Co-Founder von Kaffee-Kooperative, berichtet wie es aktuell in Ruanda aussieht.

“Die East African Community (EAC, Ostafrikanische Gemeinschaft, eine zwischenstaatliche Organisation von Burundi, Kenia, Ruanda, Uganda und Tansania) hat drastische Maßnahmen ergriffen, um das Corona-Virus einzudämmen. Dazu gehören Ausgangssperren, die gerade um 14 Tage verlängert wurden und wie wir sie auch aus Deutschland kennen. Die Grenzen wurden geschlossen. Einige Länder, wie Ruanda, erlauben es ihren Bürgern unter Quarantänebedingungen einzureisen (14 Tage Isolation nach Einreise). In der Praxis bedeutet dies letztlich, dass niemand mehr einreist, da alle Länder ihre Grenzen geschlossen haben und auf unbestimmte Zeit auch kein Flugverkehr stattfindet. Einzige Ausnahme ist der Transport von Waren und Gütern innerhalb der EAC, wobei maximal 3 Personen pro LKW erlaubt sind. Soviel zur Theorie: In der Praxis ergeben sich deutliche Verzögerungen im Warenverkehr, da viele Dienstleister involviert sind, von denen aktuell viele nicht arbeiten.

Märkte für Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs bleiben geöffnet, allerdings gibt es hier viele Einzelfall-Entscheidungen. In Uganda ist beispielsweise jeglicher Verkehr untersagt, außer zu medizinischen Zwecken oder für Lieferungen.

Was machen die Menschen nun? Viel Zeit wird – auch von den älteren – in den sozialen Netzwerken verbracht. Gerade in der ersten Woche des Shutdowns gab es dort enorm hohe Aktivitäten.

Die Sicherheitsbehörden agieren sehr ruhig und professionell, aber natürlich gibt es auch in Ruanda immer wieder Menschen, die sich nicht an die Regeln halten und sanktioniert werden – wir kennen solche Fälle auch aus Deutschland.

In Hinblick auf die Auswirkungen des Corona-Virus wird vor allem ein ökonomischer Schaden befürchtet, da von der EAC – trotz eines geringen Einnahmestroms – einige große Kredite finanziert werden. Die Zentralbanken haben zwar verkündet, dass sie alles unter Kontrolle haben, aber wir werden sehen.

In den sozialen Medien wird diskutiert, dass Afrikaner keine Medikamententests des Westens annehmen sollten, da Spendenabsichten nicht im Interesse der Afrikaner sind. Wie überall gibt es auch hier allerlei Verschwörungstheorien, z.B. dass Corona aus amerikanischen oder chinesischen Laboren komme, durch 5G verursacht werde…

Blicken wir auf unseren Geschäftsbereich: Die Rösterei unseres ruandischen Partner-Unternehmens Rwashoscco war eineinhalb Wochen geschlossen. Nach Rücksprache mit den Behörden erhielt Rwashoscco nun eine Freigabe für die Weiterverarbeitung des Kaffees. Die nächste Herausforderung wird sein, den Kaffee angesichts der logistischen Einschränkungen außer Landes zu schaffen.

In den Kooperativen wird weiterhin Kaffee geerntet und verarbeitet. Die landwirtschaftliche Produktion ist als essentiell eingestuft, aber auch hier gelten die bekannten Regeln sozialer Distanz. Darum wurden in allen Kooperativen entsprechende Verhaltensmaßnahmen eingeführt. In Koakaka und Musasa wird nächste Woche mit der Ernte und Verarbeitung der Kaffeekirschen begonnen.

Bevor die Ernte losgeht, arbeiten die Frauen von Rambagira Kawa an einer Bestellung der beliebten Sport-Beutel für unsere Specials, wie mir die Leiterin Odette via Whatsapp mitteilte. Sie haben ihre Arbeitsplätze umstrukturiert, um die Abstandsregeln beim Nähen zu wahren.

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Allan Mubiru, Co-Gründer von Kaffee-Kooperative

Ich selbst arbeite von zu Hause. Da meine Mitbewohner abgereist sind, bin ich ganz allein. Ab und zu gehe ich raus, um einzukaufen. Auf Panikkäufe habe ich bewusst verzichtet und kaufe wie gewohnt alle drei bis vier Tage ein. Mein Tagesablauf sieht folgendermaßen aus: Ich stehe auf, mache Sport, arbeite tagsüber und lese etwas. Am Abend trinke ich ein Bier oder schau mir einen Film an. Ich höre den ganzen Tag Reggae und telefoniere regelmäßig mit meiner Familie in Uganda, um zu hören wie es ihnen geht. Soweit geht es ihnen erfreulicherweise recht gut. Mir selbst geht es den Umständen entsprechend bestens. Im Moment stehe ich in engem Telefonkontakt mit Angelique von Rwashoscco, um einen reibungslosen Nachschub frisch gerösteten Kaffees zu ordern. Sobald die Corona-Krise vorbei ist, möchte ich nach Uganda fahren, um meine Familie wiederzusehen.”

Ich verweise Sie zum Schluss gern noch auf diesen Beitrag der taz-Ostafrika-Korrespondentin Simone Schlindwein. Sie schreibt über den – teils erschütternden – Umgang mit Covid-19 in Ruanda, Uganda und Kongo.

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